Beratungsansatz
Ich arbeite in der telefonischen Lebensberatung nach dem personzentrierten Ansatz, den der humanistische Psychologe Carl R. Rogers (1902 – 1987) Mitte des letzten Jahrhunderts
begründet hat. Rogers wies empirisch nach, dass eine konstruktive Veränderung bei Klienten in der
Beratung/Therapie durch folgende Bedingungen gefördert wird:
"Die Echtheit des Therapeuten, seine unbedingte Annahme und Wertschätzung für den
Klienten und das empathische Verstehen der inneren Welt des Klienten."
(Sander, 1999, S.45).
Diese drei elementaren Grundhaltungen des personzentrierten Beraters und die Wirkungsweise personzentrierter
Beratung/Therapie werden im Folgenden erläutert.
- Echtheit (Kongruenz)
Der personzentrierte Berater begegnet dem Klienten im Beratungsgespräch als echte Person und nicht als distanzierter Experte. Das Beratungsgespräch hat nicht die Form einer durch den Berater dominierten Fragestunde, nach dem Motto: Berater fragt, Klient antwortet, Berater fragt, Klient antwortet, u.s.w. Stattdessen kommt es zwischen Berater und Klient zu einem echten Austausch auf gleicher Augenhöhe, in dem das Anliegen des Klienten, seine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle im Mittelpunkt stehen. - Unbedingte Wertschätzung
Der Berater begegnet dem Klienten zu jeder Zeit wertschätzend und akzeptiert diesen ohne Bedingungen, so wie er ist. Diese Form von Wertschätzung darf jedoch nicht als unehrliches "Dauer-Nicken" des Beraters falsch verstanden werden. Der Berater kann inhaltlich durchaus anderer Meinung sein als der Klient und wird dies dem Klienten auch in sinnvoller Weise mitteilen, ohne die vertrauensvolle Beziehung zu ihm zu gefährden. - Einfühlungsvermögen (Empathie)
Der Berater fühlt sich im Beratungsgespräch in die innere Welt des Klienten ein und kann so die "Wirklichkeit" durch die "Brille des Klienten" sehen. Die belastenden Erfahrungen des Klienten und seine Gedanken und Gefühle hierzu ergeben ein Bild, das der Berater nutzen kann, um die Selbstreflexion des Klienten zu fördern. - Wirkungsweise personzentrierter Beratung/Therapie
Der personzentrierte Berater schafft durch Kongruenz, bedingungslose Wertschätzung und Empathie eine wachstumsfördernde Atmosphäre, die es dem Klienten ermöglicht belastende Lebenserfahrungen im Gespräch nochmal zu durchleben und ggfs. neu zu bewerten. Der Klient wird sich in diesem Prozess allmählich seinen eigenen Gedanken und Gefühlen stärker bewusst. Er wird mit der Zeit neue Optionen für sein Leben entdecken. Diese können in der geschützten Beratungsumgebung von allen Seiten beleuchtet und "durchgespielt" werden. Anschließend kann der Klient den Weg, der am besten zu ihm passt, in der realen Welt gehen.
Literatur:
SANDER, K. (1999): Personenzentrierte Beratung. Ein Arbeitsbuch für Ausbildung
und Praxis. Köln. Gwg Verlag. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
